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  • Eleonora Himmelreich

Digitale Assistenten: Hilfe, ich werde verfolgt!

Aktualisiert: 7. Okt 2019

Fühlen Sie sich irgendwie beobachtet? Ich oute mich mal: Ich schon. Aber daran bin ich eigentlich selbst schuld. Direkt nach dem Aufstehen frage ich meine gute Freundin „Alexa“ nach dem Wetter. Alexa ist allzeit bereit und kann mir diese Frage in einer gefühlten Nanosekunde beantworten – jedenfalls viel schneller, als ich mein Handy zücken, entsperren und die Wetterapp aufrufen kann. Alexa weiß auch genau, welche Musik ich mag, und spielt mir auf Zuruf meine aktuellen Lieblingshits vor.

Auf dem Weg zur Arbeit erklärt mir „OK-Google“, mit wie viel Verspätung ich heute im Büro ankommen werde. Ganz egal, ob ich mit dem Auto oder dem ÖPNV unterwegs bin. OK-Google kennt auch mein gesamtes Telefonbuch auswendig und wählt die Nummer meines Lieblingsitalieners, wenn ich unbedingt eine Pizza mit Spinat und Knoblauch brauche. Meine Waschmaschine meldet sich bei mir via App, wenn sie einen extra Reinigungsdurchlauf benötigt. Und wenn ich friere, stelle ich von unterwegs über mein Smartphone schon mal die Heizung in meiner Wohnung höher. Alles sehr bequem, sage ich Ihnen!


Was mein Sexleben mit 2 Gläsern Wein und meinen Freund*innen zu tun hat.


Gleichzeitig sind diese Alltagshelferlein aber auch die Ursache für meinen Verfolgungswahn: Wie sicher kann ich sein, dass mir diese Tools nicht Tag und Nacht zuhören? Dass die ganzen kleinen Anwendungen nicht alles mittracken, was ich so treibe? Dass sie alle zusammen nicht die so gesammelten Daten auswerten? Um mir zum Beispiel Waren zu liefern, an deren Bestellung ich bisher nicht mal gedacht habe – die ich aber trotzdem sehr gut gebrauchen kann*? Und was ist, wenn meine Fitness-App anfängt, sich mit meiner Rezepte-App zu unterhalten? Die zwei kuscheln schon so schön auf meinem Handy-Startbildschirm …

Muss ich mich vielleicht sogar schämen vor diesen Assistenten? Wenn die alles mithören, was ich so treibe, dann wissen sie zum Beispiel auch, dass ich nach dem Genuss von 2 Gläsern Wein schnarche. Oder dass mein Sexleben nicht wirklich aufregend ist. Oder dass ich manchmal mit mir selbst spreche. Herrje, kann es sein, dass die digitalen Helferlein viel mehr über mich wissen als meine allerbesten Freundinnen und Freunde? Was ein Glück ist das einzig Digitale an meiner Waage die Anzeige der Zahlen des Grauens. So kann ich mir wenigstens ganz sicher sein, dass niemand außer meiner Waage weiß, dass ich die Tafel Schokolade von gestern Abend schon heute Morgen in Hüftgold verwandelt habe! Puh.


*Wenn Sie nun an das Känguru denken, dann haben Sie recht – diesen Gedanken hat mir der famose Marc Uwe Kling in mein Gehirn gepflanzt. Schurke, der!